CO2-Bilanz von Heike und Matthias

CO2-Bilanz – eine persönliche Bestandsaufnahme

Die Frage nach unserer CO2-Bilanz habe ich mir gestern am World Environment Day 2022 (#OnlyOneWorld) wieder einmal gestellt. Ich finde solche Aktionstage immer sehr gut geeignet, um den eigenen Status Quo einfach mal in Frage zu stellen und ggfs. die persönlichen Maßnahmen zu adjustieren. Und zum World Environment Day kann jeder seine eigene Climate Action veröffentlichen.

CO² Reduktion durch eigene Photovoltaikanlage

Ich wollte in diesem Zuge einfach mal wissen, in wieweit sich die Installation unserer Photovoltaikanlage im letzten Jahr positiv auf unsere persönliche CO²-Bilanz auswirkt. Natürlich muss man auch bei einer eigenen PV-Anlage berücksichtigen, dass diese bis zum Zeitpunkt der Erzeugung von eigenem Strom, auch Energie verbraucht. Für die Herstellung, Transport, Montage etc. Gemäß Umweltbundesamt liegt das Treibhausgaspotenzial für Strom aus einer in Deutschland betriebenen PV-Anlage bei 56 g CO2-Äq./kWh (im Vergleich dazu: 2020 lag der deutsche Strommix bei rund 366 g CO2 pro erzeugter kWh). Nimmt man nun die Prognoserechnung unseres Solarteurs für unsere 11,4 kWp-Anlage und multipliziert diese mit der Differenz aus Strommix und Eigenausstoß, so kommt man auf eine CO²-Reduktion von knapp 4,3 Tonnen.

13.800 kw/h * (366 g – 56 g) / 1.000 = 4.278 to

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie lange es dauert, bis die eigene PV-Anlage eigentlich die Primärenergie erzeugt hat, die für deren Herstellung verbraucht wurde. Bei neuen Anlagen geht das Fraunhofer Institut davon aus, dass diese „Energy-Payback-Time“ nur noch etwa 1,3 Jahre dauert. Geht man zudem von heutigen Laufzeiten der PV-Anlagen von 20-25 Jahren aus (LG garantiert uns für unsere PV-Module nach 25 Jahren noch einen Ertrag von 90%), bedeutet das, dass eine moderne Photovoltaikanlage mindestens 25 Mal so viel Energie erzeugt, wie sie verbraucht hat. Und das alles nahezu CO²-frei.

Unsere aktuelle CO2-Bilanz

Okay. Wir wissen jetzt also, dass wir mit unserem Sonnenstrom ca. 4,3 to CO² einsparen. Aber was bedeutet das jetzt für unsere persönliche Bilanz? Laut Umweltbundesamt liegt der durchschnittlichen CO²-Ausstoß in Deutschland bei 10,78 to/CO² pro Kopf und Jahr für die Kategorien Wohnen & Strom, Mobilität, Ernährung, sonstiger Konsum, und öffentliche Emissionen. Von diesen knapp 11 Tonnen pro Person bin ich die letzten Jahre auch immer ausgegangen, um unsere Kompensation zu berechnen. Nun haben wir in den letzten Jahren immer weiter versucht unseren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Aber ich gebe zu, dass da sicher noch viel Luft nach oben ist.

So haben wir aktuell noch immer zwei Autos. Aber die sind gerade mal vier bzw. sechs Jahre alt. Da macht es also überhaupt keinen Sinn, diese durch moderne Stromer zu erzeugen. Natürlich könnten wir radikal sagen, dass uns ein PKW ausreichen würde. Aber der eine ist ein zum Minicamper ausgebauter Hochdachkombi, den wir für unsere Outdoor-Aktivitäten nutzen – u.a. auch für Urlaub im eigenen Land, um nicht Fliegen zu müssen 😉

Der andere ist ein kleiner Diesel, den wir für längere Strecken benutzen. Und als wir die beiden Fahrzeuge angeschafft haben, haben wir beide noch Vollzeit im Büro gearbeitet. Und wir wohnen nun mal auf dem Lande. Da braucht man ein Auto. Mittlerweile sieht das schon etwas anders aus, da sich auch unsere Arbeitsmodelle gewandelt haben. Aber völlig ohne geht es noch nicht.

Was die anderen Kategorien betrifft tun wir unser bestes. Wir haben den Fleischkonsum massiv reduziert, essen lokal und saisonal wo möglich, haben zu 99% nur noch LEDs im Haus, kaufen so nachhaltig es für uns geht ein. Wir versuchen eben einen guten Mittelweg zu schaffen zwischen Verzicht und Selbstkasteiung. Was das gebracht hat, sieht man im Titelbild. Heike ist bereits eine Klimaheldin mit nur noch 4,7 Tonnen pro Jahr. Ich trickse wohl noch zu viel und lande dadurch bei 5,1 Tonnen. Diese Werte stammen übrigens von ClimateHero, die auch einen sehr guten Rechner für die eigene CO²-Bilanz haben.

Durch einen nachhaltigeren Lebensstil und die PV-Anlage haben wir unsere persönliche CO2-Bilanz vom „Durchschnitt“ in Höhe von 21,56 to/Jahr auf immerhin 9,8 to/Jahr schon mehr als halbiert.

Sind wir nun eigentlich klimaneutral?

Laut EU-Parlament „bedeutet Klimaneutralität, ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken herzustellen. Um Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müssen alle Treibhausgasemissionen weltweit durch Kohlenstoffbindung ausgeglichen werden“.

Mit unseren restlichen knapp zehn Tonnen sind wir also noch nicht wirklich klimaneutral. Und um das 1,5°-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, dürfte jeder Mensch nur noch etwa zwei Tonnen pro Jahr produzieren. Für uns in der westlichen Welt (aka Globaler Norden) sicher nur sehr schwer zu erreichen. Wenn ich mir unsere Daten aber anschaue, dann wäre das mit weiterem Verzicht durchaus machbar. Aber Verzicht bedeutet eben wirklich etwas zu tun.

Die EU will bis 2030 klimaneutral werden. Das gelingt mit vielen gesetzlichen Vorgaben und nach wie vor sehr viel Kompensation. Und genau so machen wir das auch. Was wir an unserer CO²-Bilanz aktuell nicht weiter reduzieren können, gleichen wir aus. Seit 2020 mache ich das zum Beispiel für mich selbst über mein Zero-Bankkonto bei tomorrow, mit dem ich durch meine Kontoführungsgebühren und die Transaktionen mit der Kreditkarte, meinen Impact leiste.

Für Heike habe ich die letzten Jahre immer eine Kompensations-Abo über Atmosfair abgeschlossen. Dieses Abo habe ich allerdings jetzt gekündigt. Eine Überkompensation bringt uns nicht so viel. Das gesparte Geld investieren wir lieber in andere nachhaltige Maßnahmen, um unsere eigene CO²-Bilanz weiter zu verbessern.

Wie man sieht, sind wir ganz gut dabei. Aber da geht noch einiges und wir werden uns weiter bemühen uns nachhaltiger durch das Leben zu bewegen und unser Bestes geben. Sowohl im privaten Umfeld als auch im beruflichen. Ob es unsere TetUp!s sind, unsere Blumenwiese oder der eigene Job. Es geht viel und wir halten euch hier auf dem Laufenden, wie es vorangeht. Und natürlich freuen wir uns über jeden Kommentar hier im Magazin, falls ihr über eure eigene Bilanz erzählen wollt.